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So sein, wie…

Beim Durchblättern von einigen Magazinen und Klatschblättern war ich völlig unvoreingenommen und wollte einfach mal schauen. Nach einigen Seiten des Blätterns – neben mir eine leckere Tasse Kaffee und ein Stückchen Schokolade – reichte es mir eigentlich schon, aber ich las tapfer weiter: „Ein bisschen sein, wie…?“ Das interessierte mich jetzt. Wollen wir nicht insgeheim alle ein wenig sein, wie…? Ein Stückchen abhaben vom Kuchen der Schönheit und Berühmtheit der Stars, der Sternchen?
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Eine Figur die viele Frauen anstreben???

Schwebt uns nicht in unseren heimlichen Träumen tatsächlich vor, wir wären annähernd ein kleines bisschen wie Heidi Klum oder Gisele Bündchen oder Zakk Wylde? So machtvoll wie Angela Merkel? So unverschämt frei und dreist wie Charlotte Roche? Ich las, wie wir uns unserem Ideal annähern könnten und welche kleinen Tricks und Tipps befolgt werden müssten, um bloß nicht so sein zu müssen, wie wir wirklich sind! „Bringen sie sich auf Vordermann, arbeiten sie diszipliniert an ihren Umgangsformen und achten sie auf eine selbstbewusste, gerade Körperhaltung.“ Aha ! Ich lief also mit gesenktem Haupt durch die Straßen, sah mich schwer körperlich und geistig vernachlässigt „Scheiße“ schreien und fühlte mich mit jeder Zeile schlechter. Kein Wunder, dass die Menschen so desinteressiert auf mich reagieren und dass mir die besten Kerle durch die Lappen gingen.

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Mit Sex kann man alles verkaufen. Werbung von Kraft Food Company. ©Kraft Food Company,  Bild Quelle:http://static5.businessinsider.com

Ich musste an mir arbeiten, das stand da Schwarz auf Weiß – und ich nippte verklemmt an meiner Kaffeetasse. Tägliche, konsequente Gymnastik stand an, ein Sprachkurs für korrektes Deutsch und ein auf-den-Typ-abgestimmtes-Outfit plus dezentes Make-Up. Da hatte ich tatsächlich etwas versäumt und brauchte ernsthaft einen Termin bei einer Personality-Beraterin (die Amis machen es uns vor und haben private Styling-Berater für geschmacklos-inkompetente Klamotten-Träger).

Aber erst, wenn ich mich im Fitnessstudio angemeldet hatte und einen Feng Shui–Einrichtungs-Coach konsultiert hatte – schließlich fängt die Positivität bereits in den heimischen Katakomben an. Ein wenig erleichtert über meine festen Pläne, las ich weiter und verkniff mir das kleine Stückchen Schokolade neben meiner Kaffeetasse. Mich beschlich das Gefühl, dass ich so wie ich bin, nicht richtig bin. Das jedenfalls haben die Schreiber dieses Artikels erreicht. Mein Selbstbewusstsein hat sich nach 5 Minuten in den Keller gelesen und mein sehnlichster Wunsch war es nun, so zu sein, wie die schicke Lady auf dem Foto. Ich fühle mich elend und blätterte entmutigt weiter. Das Stückchen Schokolade war in der Hitze bereits geschmolzen und tatsächlich nicht mehr essbar. Sowieso voll eklig, diese Schokolade.

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©Burger King Worldwide, Inc.

Auf den nächsten Seiten ging es dann wieder aufwärts mit meiner Psyche, denn dort war eine hübsche Dame abgebildet, die ein wenig war wie ich, tatsächlich ein bisschen wie ICH!? Aber sollten wir nicht sein, wie…? Meine Logik kam da nicht mehr ganz mit, schließlich verwahrlost nicht nur mein Äußeres sondern auch mein Innerstes. Meine Rettung war, dass ich endlich wieder ein Ziel hatte und das alles musste sofort passieren, nicht erst übermorgen! Die neuen Klamotten fand ich zum Bestellen beim „Igitte-shop“ gleich zwei Seiten weiter, das würde ich mir schicken lassen.

Die Frage ist nur, wovon bezahle ich das aber alles, wenn ich zukünftig terminlich so eingespannt bin, dass ich leider nicht mehr zum Arbeiten komme?

© Petra M. Jansen

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