Selfie-Wahn und Narzissmus

Es hat immer mit einer idealisierten Selbstdarstellung und einer gehörigen Portion narzisstischer Veranlagung zu tun. Was früher hinter versteckten Türen gezeigt wurde, wird heute ohne Scheu als perverse, optische Delikatesse serviert.

Hinter dem Bildschirm verschanzt trauen sich die Menschen Dinge preiszugeben, die sie in der Öffentlichkeit niemals persönlich wagen würden. Speziell die Damenwelt zeigt ein Gesicht zum Erschrecken. Ich möchte nicht wissen, wie viele „self-shots“ gemacht werden, um ein einziges Bild mit dem richtigen Augenaufschlag, gut fallenden Haaren und dem perfekten Gesichtsausdruck zu veröffentlichen. Vor einiger Zeit habe ich in meinem männlichen Bekanntenkreis eine Umfrage gemacht und um Mithilfe bei der Recherche gebeten. Was die Herren mir zeigten und welche Nachrichten sie in der Internetwelt von den Frauen bekamen, war unglaublich. Damen, die in der Öffentlichkeit stehen, Musikerinnen, die auf der Bühne stehen, brave verheiratet Frauen, Frauen in guten beruflichen Positionen oder auch sehr junge Frauen…sie alle waren sich nicht zu schade, ihre Weiblichkeit hautnah – und oft sogar splitternackt – zu offerieren.

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Symbolbild

Immer mit dem Vermerk „aber das ist n u r für dich“,  sah ich Fotos von Frauen mit Dildos zwischen den Lippen, Nahaufnahmen ihrer geöffneten Genitalien mit den beigefügten Zeilen „beim nächsten Mal, wenn du kommst, erwartet dich das!“ und ähnlich groteske Angebote. Bei den Männern ging es wesentlich zurückhaltender zu und ich muss ehrlich sagen, die Fotos, die mich (sexistisch einzuordnen) erreichten, konnte ich an einer Hand abzählen. Während die Damenwelt sich als moderne Huren-Ansammlung zeigt, sind die Männer sehr viel reservierter und auch respektvoller.

President Barack Obama poses for a selfie with Bill Nye, left, and Neil DeGrasse Tyson in the Blue Room prior to the White House Student Film Festival, Feb. 28, 2014. (Official White House Photo by Pete Souza) This official White House photograph is being made available only for publication by news organizations and/or for personal use printing by the subject(s) of the photograph. The photograph may not be manipulated in any way and may not be used in commercial or political materials, advertisements, emails, products, promotions that in any way suggests approval or endorsement of the President, the First Family, or the White House.

Sie scheinen eine gesunde Barriere zu haben, was bei den Frauen nicht mehr der Fall ist. Liebe Damen, sie geben im Netz ein verschobenes Bild der Weiblichkeit ab und degradieren uns als Nutten, die leicht zu haben sind. Dagegen wehre ich mich persönlich und möchte eine Lanze brechen für all die Frauen, die immer noch ein wenig verdeckt, unnahbar und eben sehr normal unterwegs sind. Jeder Frau stünde ein wenig Charme und Etikette besser als die angepriesenen Lippen – oben oder unten. Schauen wir weiter, stellen wir fest, dass Frauen sich im Wesentlichen auf ihr Äußeres reduzieren. Haben sie nicht mehr zu bieten? Das frage ich mich immer wieder, wenn ich solche Fotos sehe.

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Zudem ergab meine Recherche, dass wirklich interessante und kluge Männer solch ein Verhalten sogar ablehnen. Zwar werden auch sie mit Aktfotos und eindeutigen Offerten bombardiert, aber sie scheinen immun zu sein. Prima! Zeigen sie den Damen, dass ihre dämliche Visage mit Kulleraugen, Kussmundlippen und freiliegendem Dekolleté nicht entscheidend sind und sie sich damit lächerlich machen.

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Das sind selbsternannte Püppchen oder Huren, die nicht im Bordell arbeiten, sondern das Internet als Fickbörse oder virtuellen Laufsteg pflegen. Der Mann, der darauf einsteigt, verdient es nicht besser und ist mit Sicherheit auch nicht erpicht auf mehr geistigen oder emotionalen Anspruch. Da passt es, was der klugen Allgemeinheit wirklich auf die Nerven geht. Narzissmus ist immer! die Grundlage solch absurder Aktivitäten im Netz und somit ein Zusammenspiel zwischen Präsentationswahn und gekoppeltem, mangelndem Selbstwertgefühl. Diese Menschen haben nichts Wichtiges zu sagen, sie sind tatsächlich aussagearm und dadurch auch beliebig austauschbar. Erschreckend war meine Recherche, als ich all diese Fotos und selbstgemachte Videos sah – eine absolute Verrohung der Erotik und der sinnliche- anregenden Emotionen.

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Eine maßlose Reduktion auf Titten, Arsch und tiefe Einblicke in den Schritt mit der klaren Aufforderung „nimm mich“ oder „ich stehe zur Verfügung.“ Wenn das die Zukunft der Frauen ist, können wir nur den Kopf schütteln und sollten – als Menschen mit Anspruch und Geschmack – ein klares Zeichen setzen, dass uns so ein Unsinn und eine Reduktion auf die reine Körperlichkeit und Optik gehörig gegen den Strich geht. Wenn Sie nun denken, ich sei prüde, liegen sie falsch, im Gegenteil. Nur sehe ich es nicht als notwendig, Gott und der Welt meine Vorzüge zu zeigen, die sie mit Sicherheit zur Raserei bringen würden. Wozu auch, wenn man ein stabiles Selbstbewusstsein und einen gesunden Eigenwert besitzt? Eben.

© Petra M. Jansen

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