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Mein Kind ist mein Eigentum

Kaum wird es auf die Welt gepresst, ist schon der Stempel drauf. Mitsamt Uhrzeit, Geschlecht, Datum und Namen, zu dem der arme Wurm gar nichts sagen kann und die Vorstellung, dass das Mädel Martha Pfahl (die gibt´ s leider tatsächlich) hieße, macht es nicht einfacher. Danach geht das Gerangel los.

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Mutti lässt ihren Liebling kaum aus den Augen und der Papa wird argwöhnisch betrachtet. Wehe, der macht da was falsch, dann darf der nur noch mit Bewachung dran. Bei der Wahl des Kindergartens hat der kleine Ableger ebenso wenig Mitspracherecht wie bei der weiterführenden Schule und ab da ist es sowieso aus. Alles steht im Zeichen der schulischen Qualifikation – mindestens das Gymnasium muss es sein. Ihr Kind soll es schließlich einmal besser haben.

Tanz, Gitarren-, Flöten- oder Orgelunterricht, Schwimmkurse, pädagogischer Nachmittag, Tanten besuchen, ausgewählte Freude, überall hat die liebende Mama die Daumen drauf. Perfekt organisiert und pädagogisch stranguliert.

Sie will ja nur das Beste und heutzutage kann man gar nicht genug Disziplin haben, sonst rennen uns die Chinesen oder Skandinavier bildungsmäßig davon.

Das Essen wird serviert, wie ein gesunder Ernährungsplan es fordert. Ein Zuviel an Süßigkeiten ist schlecht für die Zähne und Computerspiele selbstverständlich komplett verboten. Engagierte Mamas sind dann nebenher noch im Elternbeirat, im Sport- und Antidrogenausschuss, Vorsitzende in der AG für Meditation und Begleiterin der Anti-Stress-Therapie für Teens und Twens. Kein Wunder!

Die inzwischen Herangewachsenen haben volles Programm bis zum späten Nachmittag und wenn´ s die Noten nicht hergeben, Nachhilfeunterricht zweimal die Woche plus einen privaten Hauslehrer. Ist alles zu packen…

Ein schlaues Kind, das sich ganz furchtbar übel fühlt, den Arm bricht oder sich plötzlich einen undefinierbaren Virus holt. Das ist wenigstens mal eine kleine Verschnaufpause. Wie haben wir es früher eigentlich geschafft, trotz Schule noch die Bäume hochzuklettern oder Gummitwist zu spielen?

Ich glaube fast, das waren früher andere Mütter…

 © Petra M. Jansen                      http://jansen-marketing.de

1 Comment
  • Katja Wölfing
    Antworten 20. Oktober 2015 at 18:04

    …das sehe ich auch so! Treffend beschrieben Petra m. Jansen!!!!

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