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Körperliche und geistige Prostitution erwünscht

… damit der Instagram-Snapchat-er die gierigen Augen bloß auf das Tablet, IPhone oder den Laptop heftet und nicht auf dumme Gedanken kommt. Dumme Gedanken wären aber nun mal andersrum gedacht „Hirn einschalten“ und endlich einmal denken, statt primitiv zu glotzen.
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Bild Quelle: http://www.crookedsymposium.com/social-media/

Aber kann der das überhaupt, der sich selbst als Großstadt-Cowboy mit Hut oder Schafwollmützen-Lamm gnadenlos selbst präsentierend der Publizität aussetzt? Wollen wir das wirklich alles sehen? Zunehmend mehr denkende Menschen und Firmen verlassen die Facebook Community z. B., weil Zuckerberg sein virtuelles Bordell verrotten lässt. Dafür aber spendet er nun als frischgebackener Papa alles für soziale Zwecke, immerhin – das Gewissen wird rein gewaschen. Es geht um Masse, nicht um Klasse und so ist es auch bei dem – für mich völlig absurden – Instagram-Gepinne.

Was soll denn das Anheften von geklauten und eventuell sogar urheberrechtlich geschützten Fotos auf den Pinnwänden aussagen? Wir können tonnenweise Fotos im Netz ohne Community anschauen, wir sind umgeben von Fotos, wenn wir mit offenen Augen durch das Leben laufen. Ich schließe daraus, dass diese geistige und körperliche Prostitution normal zu sein scheint, aber „Duckface-Pics“ sind ebenso langweilig wie amerikanische, durchgestylte Show-Puppen. Und wieder geht es um eines: der Betreiber verdient sich durch die Dummheit der Leute reich und die Werbefirmen platzieren zielgerecht, schließlich verraten die Cookies das komplette User-Verhalten. Der bekannte Satz „Come to the dark side we have cookies“ ist in diesem Sinne voll und ganz zutreffend.

 

Students internet computer addiction sitting bench

Ich sehe schwarz, wenn Menschen einen großen Teil der Freizeit am Bildschirm verbringen und somit die gesamte reale Kommunikation ausgeschaltet wird. Sie erklären der Welt da draußen ihr Privates, sie zeigen, wie ihre Wohnung aussieht, sie breiten ihre(n) Liebste(n) vor Jedermann aus, damit die bloß die Finger davon lassen – ist schließlich Meins.

Das interessiert aber tatsächlich wirklich keinen, denn die wichtigen Botschaften werden ohnehin hinten rum oder in privaten Messages ausgetauscht, abgehalten hat das also noch niemanden. Bezahlte Internet-Sternchen bekommen jede Menge Kohle dafür, dass sie Kleid XY anziehen und sich darin ablichten lassen (obwohl sie es privat eher nie tragen würden). Es gibt eine klare Welt der werbetreibenden Industrie, die ihren bezahlten „Testimonials“ genau vorschreiben, wie oft sie via Instagram oder auf anderen Communities erscheinen müssen.Und die dummen Fans? Die klicken wie verrückt und verlieren ihr eigenes Leben vollkommen aus dem Blick. Eine Orientierung nach draußen ist unerwünscht. Erwünscht ist, dass Menschen sich stundenlang virtuell aufhalten und bei möglichst vielen Communities angemeldet sind oder bleiben (jede Aktivität ist transparent und das Verhalten der User wird registriert).

Könnten sie einmal ihr verzerrtes Eigenbild oder ihre Unsicherheit ablegen und würden sie uns wohl die Tatsache dessen zeigen, was und wie sie wirklich sind, fände ich das angemessen, doch das wollen wir gar nicht sehen. Aber was wollen wir denn sehen? Die verschönte, kalte, verblödete Welt, die uns zunehmend verunsichert oder die Realität? Können wir nicht unser Leben und uns so akzeptieren wie wir sind? Anscheinend nicht. Sehr schade, wer das Spiel noch nicht durchschaut hat und noch viel schlimmer, die egozentrischen Darstellungen (speziell junger Frauen und Mädchen) im Internet. Traurige Wahrheit: Es interessiert niemanden, was sie sind, es interessiert niemanden, wer ihr Lover ist oder ob ihre Beziehung gerade mal wieder in die Brüche gegangen ist und es interessiert auch niemanden, was Sie tragen – denn Sie sind kein Testimonial sondern der Endverbraucher, der – salopp gesagt – komplett verarscht wird, ein herdengetriebenes Verhalten an den Tag legt und sich selbst vorgaukelt, man sei wichtig. Währenddessen klingelt die Kasse der Statistiker, der Firmen, die sich damit beschäftigen, ihnen zu zeigen, dass sie eine absolute Null sind. Dagegen hilft nur eines: Kaufen, kaufen, lügen, kaufen und nochmals kaufen. Konsum, Kommerz, Hirnlosigkeit um jeden Preis – halt! Sie zahlen einen hohen Preis: der ihrer Liebe und Akzeptanz zu sich selbst.

© Petra M. Jansen

http://jansen-marketing.de

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