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Feindschaft hat viele Gesichter

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Auch in friedlichen Zeiten sind Feindschaft und Feindbilder ein alltägliches Phänomen der menschlichen Gesellschaft. Warum Feindschaft viele Gesichter hat und wie man ihr auch positive Dinge abgewinnen kann.


Feindschaft hat viele Gesichter

Der Begriff Feind leitet sich vom althochdeutschen Wort für Hass “fiant“ ab. Das ist ziemlich passend, denn eine gute Portion Hass ist die gesunde Basis jeder funktionierenden Feindschaft. „Mir ist meine Zeit viel zu kostbar, um mit anderen einen Kleinkrieg anzufangen, deshalb habe ich gar keine Feinde“, werden da einige Zeitgenossen aufwerfen. Ein kluger Gedanke, doch Feindschaft hat tausend Gesichter und eskaliert glücklicherweise nur selten zu einem offenen Konflikt. Nachbarn, die sich über den Gartenzaun anschreien und beleidigen sind nur die Spitze des Feindschaft-Eisbergs. Die Basis aller eskalierenden Konflikte sind nämlich sorgsam gepflegte Feindbilder.


Wie entstehen Feindbilder?

Um in unserem Kopf ein Feindbild entstehen zu lassen, genügt oft schon das Fehlverhalten anderer ertragen zu müssen. Wer schon einmal auf einer dreistündigen Bahnfahrt mit dem Dauertelefonat eines Mitreisenden gefoltert wurde, wird schnell das Feindbild des “wichtigtuerischen Handylautsprechers“ entwickeln, sich vor anderen darüber auslassen und es selbst hoffentlich besser machen wollen. Es geht auch abstrakter: Für viele Autofahrer sind Radfahrer das erklärte Feindbild – um umgekehrt!

Es müssen nicht zwingend konkrete Anlässe gegeben sein, um Feindbilder entstehen zu lassen. Viele projizieren lediglich das komplette Gegenteil des eigenen Lebensstils auf eine angeblich klar abgrenzbare Personengruppe. Der betont unangepasste, rebellische Jugendliche verabscheut nichts so sehr, wie den angepassten Büromenschen mit Anzug, Krawatte, geputzten Schuhen und Aktenkoffer. Auch Veganer und Fleischliebhaber sind sich oft nicht grün.

Gegensätzlichkeiten können aber auch etwas für sich haben. Feindbilder helfen uns, unsere eigene Identität zu bestärken und gleichzeitig positiv aufzuladen. Durch Feindbilder, wissen wir schon einmal, wie wir auch keinen Fall sein wollen.


Feindbilder von Außen

Oft entstehen Feindbilder durch Gruppendynamik. So werden für Fußballfans alle Anhänger der gegnerischen Mannschaft zu einem monolithischen Block, den es zu bekämpfen gilt. Bei dieser Betrachtung wird der individuelle Mensch gar nicht betrachtet, sondern nur noch das kollektive Feindbild wahrgenommen. Die heftigen Beleidigungen der Fans, gelten nicht den Einzelpersonen, sondern dem lange gepflegten Feindbild. Feindbilder sind Zerrbilder und vernebeln den Blick dafür, dass wir alle Menschen sind und als solche unendlich viel gemeinsam haben.


Der Gentleman und die Feindschaft

Muss der Gentleman Feindschaften aus dem eigenen Leben verbannen und immer höflich sein? Nicht unbedingt. Gewalt und Racheakte sind natürlich tabu. Doch falls sich eine Feindschaft nicht mit Toleranz, Nachsicht und guten Willen auflösen lässt, ist es besser, sie in unser Leben zu integrieren und die Energie daraus für die persönliche Weiterentwicklung zu kanalisieren. Wir ärgern uns zu Recht über den rüpelhaften oder unfreundlichen Menschen in unserem Umfeld? Akzeptieren wir unseren berechtigten Ärger und nehmen wir diesen Vorfall als Ansporn, es selbst besser zu machen.

2 Comments
  • Sabine
    Antworten 12. August 2015 at 9:05

    Ein Gentleman sollte eigentlich immer respektvoll und tolerant sein 😉 LG

  • Timo Herlich
    Antworten 12. August 2015 at 9:53

    Guter Text, schliesse mich dem voll und ganz an!

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